Digitale Lebenshilfen / Deutsch-tschechische Vortragsreihe beim Impulsforum im Technologie Campus

Die Herausforderungen für ländliche Regionen sind enorm. Demographischer Wandel, Abwanderung von Fachkräften und damit einhergehend eine Ausdünnung der Gesellschaft – dies und vieles mehr stellt den ländlichen Raum vor große Probleme.

Wie können moderne Technologien dazu beitragen, diese Aufgaben erfolgreich zu meistern, welche gesellschaftlichen Bereiche können davon in besonderem Maße profitieren und welche Ansätze aus dem Konzept der “Smart Regions” könnte man für den bayerisch-tschechischen Grenzraum adaptieren? Diesen und anderen Fragen wurde am Dienstagnachmittag beim bayerisch-tschechisches Impulsforum im Technologie Campus (TC) Grafenau nachgegangen.

Nichts geschieht in der Stadt, alles auf dem Land

Unter dem Titel “Niederbayern und Südböhmen: Smart Regions der Zukunft?” wurde in fünf Beiträgen von deutschen und tschechischen Referenten auf die oben aufgeführten Fragen eingegangen und Impulse für Führungskräfte, Kommunalpolitiker und Wissenschaftler gegeben. Das Impulsforum wurde von der Universität Passau mit Unterstützung durch den TC Grafenau und die Universität in Budweis sowie die IHK Niederbayern veranstaltet.

Nach der Begrüßung durch Campusleiterin Prof. Dr. Diane Ahrens referierte Hanna Schürzinger, Mitarbeiterin am TC Grafenau, über das Modellprojekt “Digitales Dorf Bayern”.

“Nichts geschieht in der Stadt, alles geschieht auf dam Land. Die Stadt erzählt nur, was auf dem Land geschehen ist.” Mit diesem Zitat von Gertrude Stein betonte Schürzinger die Verknüpfung von Stadt und Land. “Man darf die Entwicklung im städtischen Raum nicht getrennt von der Entwicklung im ländlichen Raum betrachten”, erläuterte die Referentin. Daher wolle sie in ihrem Vortrag das Land und alles was dort geschieht verstärkt in den Blick nehmen.

Ziel des Modellprojekts “Digitales Dorf” sei es, die alltäglichen Herausforderungen des Lebens auf dem Land mit Hilfe der Digitalisierung anzugehen. Dank digitaler Technologien sollen die Lebensverhältnisse in ländlichen Gebieten verbessert werden. Derzeit gebe es vier digitale Modell-Dörfer in Bayern, drei davon werden durch den Technologie Campus betreut, so etwa das digitale Dorf Spiegelau-Frauenau.

Bei dem Projekt sei es wichtig, gemeinsam mit den Bürgern für die Bürger zu arbeiten, betonte Schürzinger. Man wolle Nachhaltigkeit durch eine Ausrichtung am

Rad muss nicht neu erfunden werden

Bürgerbedarf gewährleisten. Außerdem gehe es nicht darum, “das Rad neu zu erfinden”, sondern bestehende Lösungen zu integrieren. Dabei wurden bereits vielfältige Entwicklungen geschaffen, wie etwa das digitale Klassenzimmer, digitale Rathaus-Infotafeln oder die Echtzeitübertragung von Gottesdiensten für Menschen, denen es auf Grund von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit nicht möglich ist, die Kirche zu besuchen.

Eine weitere Innovation sind “Coworking Spaces”, also ein Arbeitskonzept, das die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachkräften in einem gemeinsamen Raum ermöglichen soll. “In einem solchen Raum werden flexibel nutzbare Arbeitsplätze sowie Infrastruktur kostengünstig zur Verfügung gestellt”, erläuterte die Referentin. Dadurch soll der hohen Auspendlerquote entgegengewirkt und die Attraktivität der Region durch digital unterstützte Arbeitsformen erhöht werden.

In den weiteren Vorträgen wurden unter anderem die südböhmischen Smart Cities Písek und Tábor vorgestellt. Neben den Referaten gab es auch noch eine Diskussionsrunde sowie einen Networking-Teil, bei dem Kontakte geknüpft werden konnten.

Bild: Hanna Schürzinger ging in ihrem Vortrag beim Impulsforum im Technologie Campus auf das Modellprojekt “Digitales Dorf” ein. −Foto: Graßl