Bayerischer Wald: Digitale Hilfe für verletzte Wanderer

Erste Hilfe für Wanderer – und zwar digital: Das ist ab Herbst im Bayerischen Wald möglich. Das Waldschmidthaus soll als erste Berghütte an das Projekt “MeDiLand” zur besseren medizinischen Versorgung auf dem Land angebunden werden.

Wer sich beim Wandern im Bayerischen Wald verletzt, könnte bald mit digitaler Unterstützung Erste Hilfe bekommen. Das Waldschmidthaus (besser bekannt unter Rachelschutzhaus) wird an das Projekt “MeDiLand” angebunden.

Es ist das erste Vorhaben dieser Art im Freistaat. Läuft alles nach Plan, können im Herbst die ersten Wanderer zum Beispiel bei Verletzungen oder Unfällen digital erstversorgt werden. Die Telemedizin erleichtert die Erstversorgung durch den Schutzhausbetreiber und erlaubt den Rettungskräften eine bessere Planung ihrer Einsätze.

Hüttenpersonal wird geschult

Derzeit werden die Pächter des Rachelschutzhauses geschult. Das Schutzhaus ist auf einer Höhe von 1.360 Metern die höchstgelegenste Berghütte im Bayerischen Wald und befindet sich direkt unterhalb des Großen Rachel (1.453 Meter). Bei der Schulung lernt das Hüttenpersonal mithilfe von Simulationen, was getan werden muss, wenn ein Verletzter in das Schutzhaus kommt. Über den Bildschirm eines Tablet-PCs können sich die Pächter zusammen mit dem Verunglückten zu den Fachärzten im Krankenhaus Grafenau verbinden. Die Ärzte können per Videokonferenz von ihrem Telemedizin-Arbeitsplatz im Krankenhaus mit dem Verletzten im Schutzhaus auf dem Großen Rachel sprechen. Zudem können Vitalparameter wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Herzrhythmus des Patienten in Echtzeit vom Schutzhaus an das Klinikum gesendet werden.

Ärzte können die Schutzhausbetreiber bei Erste-Hilfe-Maßnahmen professionell unterstützen und die Rettungskräfte können ihre Einsätze besser planen, weil sie im Vorfeld Informationen zur Verfassung des Patienten erhalten.

Grenzen sind bei der zeitlichen Nutzung gegeben. Die telemedizinische Versorgung im Waldschmidthaus ist nur zu den aktuellen Öffnungszeiten im Beisein der speziell geschulten Schutzhausbetreiber möglich. Die Nutzung der Videoverbindung ist selbstverständlich freiwillig.

Das Projekt MeDiLand, untersucht unter anderem, wie Videokonferenzen und der Einsatz mobiler Telemedizingeräte zur Vitaldatenübertragung die medizinische Versorgung auf dem Land verbessern können.