Erfolgsfaktoren für die Digitalisierung im ländlichen Raum

Für die Umsetzung eines mobilen Dorfladens bzw. eines digitalen Projektes wurden folgende Erfolgsfaktoren identifiziert.

Sie sorgen dafür, dass Ihr Dorfladen ein Erfolg wird, indem Sie genügend Energie in folgende Faktoren investieren:

Akzeptanzförderung auf Seiten der Bürger*innen

Bei neuen Projekten empfiehlt es sich stets, involvierte Personen (bspw. Partner*innen und Bürger*innen) früh in die Projektplanung und -gestaltung einzubinden. Im Hinblick auf die Bürger*innen hat ein früher Kontakt den Vorteil, dass sie sich Ernst genommen fühlen, wissen, dass im Projekt ihre Interessen vertreten werden und es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie im weiteren Verlauf positiv zum Projekt stehen und tatsächlich als Kunde konsumieren.

Positiv wirken sich Kommunikationsangebote wie beispielsweise Befragungen, Marktstände sowie Informationsveranstaltungen aus. Das Benennen und die Erreichbarkeit eines konkreten Ansprechpartners schaffen darüber hinaus Vertrauen.

Einbezug einer großen Bandbreite von Stakeholdern

Bei neuen Projekten, wie dem mobilen Dorfladen, empfiehlt es sich stets, Personen mit Bezug zum Projekt frühestmöglich in die Projektplanung und -gestaltung einzubinden. Man spricht in diesem Zusammenhang häufig von Stakeholder Management. Es wirkt sich vorteilhaft aus, denn…

  1. Es steigert die Akzeptanz der betrenden Personen, da ihre Interessen vertreten werden.
  2. Es können relevante Impulse in die Projektplanung mit aufgenommen werden.

Neben den Kunden kommen zahlreiche Personen in Frage, die Anknüpfungspunkte zum mobilen Dorfladen haben. Es folgende einige Beispiele:

  • Regionale Hersteller bzw. Anbieter
  • Der regionale Handel
  • Vertreter möglicher Standorte sowie relevante Orte, wie Pflegeeinrichtungen
  • Werbeagenturen
  • Dienstleister, die den Einzelhandel unterstützen
  • Spezialisierte Unternehmen, wie z. B. eine Agentur für Lebensmittelkennzeichnung
  • Fahrdienstleister
  • Vertreter relevanter Behörden
  • Presse

Für die genannten Anspruchsgruppen eignet sich weniger die Kommunikation für die Bürger. Es empfiehlt sich eine direkte Kommunikation in Form eines exklusiven Rahmens. Als Rahmen bieten sich insbesondere Informationsveranstaltungen im kleinen Kreise, Kick-Off-Workshops sowie Arbeitsgruppentreffen als Regelabstimmungen an.

Wissenschaftliche und wirtschaftliche Verstetigung

Ausgehend von den vorhandenen, lokalen Strukturen eines Ortes sollte eine langfristige, nachhaltige Projektplanung erfolgen, welche eine Verstetigung nach Projektende vorsieht. Hier spielt insbesondere die Finanzierung eines Digitalisierungsprojekts wie dem mobilen Dorfladen eine zentrale Rolle, denn allein durch ehrenamtliches Engagement kann ein solches Projekt nicht gestemmt werden und muss daher vorausschauend für den Regelbetrieb eingeplant werden.

Kontinuierliche Evaluation

Aktuelle Projektmethoden nehmen die Agilität als zentrales Element mit auf. Das bedeutet, dass man sich von der Idee löst, etwas bis zur Perfektion zu entwickeln bevor es umgesetzt wird. Folgerichtig durchläuft man einen Design-Prozess mit mehreren Evaluations-Schleifen, die eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung ermöglichen. Im Rahmen von agilen Methoden können Projekte schließlich wissenschaftlich begleitet und weiterentwickelt werden.

Für den Betrieb eines mobilen Dorfladens spielt also die regelmäßige Projektevaluation eine bedeutende Rolle. Denn der Projekterfolg ist keine Konstante, die bestehen bleibt, nachdem sie einmal erreicht wurde. Vielmehr sind laufende Anpassungen und Optimierungen die Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg.

Mögliche geeignete Maßnahmen sind in diesem Zusammenhang regelmäßige papierbasierte Kundenbefragungen, ein Kummerkasten für anonymes Feedback sowie qualitative Befragungen wie bspw. leitfadengestützte Interviews von ausgewählten Nutzern.

Digitalisierungsstrategie und Rahmenbedingungen der Region

Zuletzt sei noch einmal darauf verwiesen, dass das Projekt im Sinne der digitalen Gesamtaufgabe auf Basis einer umzusetzenden Digitalisierungsstrategie realisiert werden kann. Die Projektverantwortlichen alleine können ein sehr gutes Projektmanagement stemmen und die Projektbeteiligten bestmöglich unterstützen und das Projekt dennoch scheitern. Denn die Grundvoraussetzung für einen entsprechenden Projekterfolg sind die passende Digitalisierungsstrategie und die passenden Rahmenbedingungen für ein Digitalisierungsprojekt. Daher gilt es, bevor sich eine Region für ein Projekt wie den mobilen Dorfladen entscheidet, entsprechend zu überprüfen, ob Strategie und Rahmenbedingungen in der Region passen.

Schaffung von Grundbedingungen für die Digitalisierung

Digitalisierungsprojekte lassen sich als radikale Veränderungen von bisherigen Abläufen und Zuständigkeiten beschreiben. Bei solch großen erfolgskritischen Innovationen ist ein ganzheitliches Denken nötig. D. h. die Digitialisierungsaufgabe kann nicht als Aufgabe von einzelnen Beteiligten betrachtet werden, sondern muss als Gesamtaufgabe aller Interessensvertreter betrachtet werden. Daher ist es notwendig die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auf neue Perspektiven und Vorgehensweisen einzulassen.

Das Einrichten eines mobilen Dorfladens erfordert im Falle von kommunalen Projekten, dass die beteiligten Partner eine gewisse Grundoffenheit Neuem gegenüber aufweisen und bereits eigene Digitalkompetenz aufweisen. Ein Erwerb benötigter Digitalkompetenz ist häufig nur durch eine intensive dem Projekt vorgelagerte Phase zur Annäherung an Digitalisierung und daran geknüpfte Erwartungen möglich.

Kommunale Digitalstrategie als kritischer Erfolgsfaktor: Regionale Potenziale bilden die Grundlage, aus der erfolgreiche Digitalisierungsprojekte erwachsen können. Um erfolgreiche Projekte umsetzen zu können, muss die Ausgangslage einer Zielregion vorab bekannt sein. Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass Kommunen häufig Unterstützungsbedarf haben im Hinblick auf

  • strukturierte Begleitung von Projekten
  • Erhebung von regionalen IST-Zuständen sowie Herausforderungen
  • Strategieentwicklung
  • bürgerzentrierte Innovationsfindung für erfolgversprechende und realistische
  • Digitalisierungsansätze (z. B. im Rahmen einer regionalen Digitalisierungsstrategie)

Laut der Bundesregierung besteht ihre Digitalstrategie aus fünf Handlungsfeldern, die sich weitestgehend auf die Kommunen übertragen lässt:


Abbildung: Digitalstrategie der Bundesregierung, verfügbar auf https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/digitalisierung/die-digitalstrategie-der-bundesregierung-1549554

Diese Handlungsfelder machen zahlreiche Vorteile des digitalen Wandels anschaulich. Dabei bietet die Umsetzungsstrategie zu den Herausforderungen konkrete Lösungen. Die Strategie wird kontinuierlich weiterentwickelt und das Erreichen der Ziele gemessen und überprüft.

Stolpersteine bei der Planung eines mobilen Dorfladens

Die oben genannten Erfolgsfaktoren für die Implementierung eines mobilen Dorfladens schaffen die richtige Perspektive für die Projektplanung.

Darüber hinaus wurden bei der konkreten Umsetzung exemplarische Stolpersteine identifiziert, die sich aufgrund der Erprobung in weiteren Projekten vermeiden lassen:

Komplexes Digitalisierungsprojekt

Die digitale Gesamtaufgabe stellt den Projektverantwortlichen vor eine komplexe Herausforderung. Da er als digitaler Kümmerer agiert, soll er das Projekt koordinieren, die digitalen Prozesse vorantreiben und vor allen Dingen den anderen Projektbeteiligten erklären und diese befähigen, sich im Projekt angemessen einzubringen.

Das entsprechende Know-how für ein Digitalisierungsprojekt ist mit deutlichem Vorlauf vor Projektbeginn zu erwerben, da der Projekterfolg ansonsten gefährdet ist. Es empfiehlt sich, kritisch zu hinterfragen, ob die Aufgabe intern bewältigt werden kann oder gegebenenfalls eine Digitalisierungsexpert*in mit einbezogen werden kann.

Fahrzeug

Da ein Dorfladen typischerweise eine große Verkaufsfläche hat, wünschen sich viele ein großes Fahrzeug. Bei der Steinwald-Allianz hat man sich für einen großen LKW entschieden, der betretbar ist und viel Platz bietet. Das Modell ist allerdings im Betrieb kostenintensiv und der Innenausbau kompliziert und aufwändig. Beim Ausbau des Wagens entstanden Herausforderungen, die die Projektverantwortlichen und die Hersteller technisch und rechtlich vor neue Herausforderungen stellten.

Onlineshop

Das Betreiben eines Onlineshops ist eine komplexe Herausforderung, mit der regionale Direktvermarkter häufig noch nicht konfrontiert waren. Der Vertrieb über einen Onlineshop kann nicht mit dem Betrieb eines Marktstands verglichen werden.

Für online bestellbare Güter gelten mehr Vorschriften als für Waren, die vor Ort vertrieben werden:

  • Die Lebensmittelkennzeichnung hat sich als komplexe Aufgabe herausgestellt. So hat sich gezeigt, dass für regionale Erzeuger die Auflagen der Lebensmittelkennzeichnung eine große Herausforderung darstellen. Es empfiehlt sich, auf Lebensmittelkennzeichnung spezialisierte Unternehmen als Partner zu beauftragen.
  • Das Online-Produktsortiment unterscheidet sich vom Handel vor Ort. Denn im Laden werden auch nicht augenscheinliche Auflagen erfüllt. So unterliegen bestimmte Produkte wie alkoholische Getränke, also bspw. regional gebrautes Bier, strengen Restriktionen, da online eine Alterskontrolle gewährleistet sein muss. Es empfiehlt sich daher, sich vor der Entscheidung für einen Onlineshop mit den spezifischen Anforderungen an den Onlinehandel im Detail auseinanderzusetzen.

Wirtschaftlichkeit

Einen mobilen Dorfladen, mit dem Ziel der Grundversorgung unterversorgter Ortsteile, wirtschaftlich zu betreiben, kann eine große Herausforderung darstellen. Neben der Berücksichtigung des Wertes, den ein mobiler Dorfladen als soziales Zentrum für die Region erfüllt, sollten daher insbesondere der spätere Betrieb und passende Betreibermodelle von Anfang mit geplant und bedacht sowie alle relevanten Stakeholder mitberücksichtigt werden. Siehe hierzu auch die genannten Aspekte unter „Erfolgsfaktoren“.

Keep it simple!

Die digitale Transformation verändert die kommunale Daseinsvorsorge grundlegend.

Startem Sie nach Möglichkeit mit einer pragmatischen, handhabbaren Lösung und erproben Sie diese zunächst.

Erst im Projektverlauf lassen sich die Stolpersteine deutlich identifizieren. Ein einfacher Start ermöglicht Ihnen einen erfolgreichen Start und erleichtert zukünftige Weiterentwicklungen. Bauen Sie auf starke Partner.