Handlungsfelder des mobilen Dorfladens

Bei der Realisierung eines mobilen Dorfladens handelt es sich um ein komplexes Projekt. Denn für die Planung eines mobilen Dorfladens spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle.

Entsprechend gilt es sorgfältig zu prüfen, welche Stellschrauben gedreht werden sollten und inwiefern ein mobiler Dorfladen Mehrwerte für die jeweilige Region schaffen kann.

Geschäftsmodell und Betrieb

Zunächst gilt es das Geschäftsmodell des mobilen Dorfladens zu definieren.

Anhand folgender Leitfragen lässt sich das Geschäftsmodell eingrenzen:

Wettbewerbsanalyse

Im Rahmen der Wettbewerbsanalyse für einen mobilen Dorfladen gilt es insbesondere das Angeobt von Online-Lieferdiensten sowie rollenden Supermärkten zu prüfen:

  • Sortiment der Online-Supermärkte
  • Lieferdauer und Lieferkosten der Onlinesupermärkte
  • Liefergebiete der Online-Supermärkte
  • Bezahlmöglichkeiten der Online-Supermärkte
  • Artikel- und Fahrzeuganzahl von rollenden Supermärkten
  • Anzahl angefahrener Dörfer von rollenden Supermärkten
  • Lieferumkreis von rollenden Supermärkten

Bezahlverfahren

Eine Befragung der Kund*innen des mobilen Dorfladens der Steinwald Allianz ergab, dass die Zielgruppe bevorzugt bar oder mit EC-Karte zahlen möchte. Lediglich ein Viertel der Befragten würde auch eine Zahlung per Paypal oder Kreditkarte nutzen.
Entsprechend empfiehlt es sich, sich auf Bar- und EC-Kartenzahlungen zu konzentrieren.

Es folgt ein knapper Überblick zu den weiteren Bezahlmöglichkeiten:

  • Paypal:
    Das Bezahlsystem Paypal gehört zu ebay und ermöglicht bei Hinterlegung der Bankverbindung oder der Kreditkarte Onlineeinkäufe. Vorteil hierbei ist, dass an den Händler keine Bank- oder Kreditkarten übermittelt werden müssen und damit ein sicherer Datentransfer möglich ist. Darüber hinaus sind Paypal-Konten für Privatnutzer kostenlos. Falls die Kund*in die Ware nicht erhält, sind Rückbuchungen leicht möglich. Nachteil jedoch ist, dass z.B. bei einem Passwortdiebstahl Einkäufe ohne Bankdaten möglich sind. Die Verkäuferin muss für den Empfang von jeder Zahlungen 1,9% des Betrags und zusätzlich 0,35€ bezahlen.
  • Giropay
    Sichere Online-Einkäufe ohne Kreditkarte können durch Giropay durchgeführt werden, indem die Käufer*in von der Website des Online-Händlers direkt über eine sichere Verbindung zum Online- Banking der eigenen Bank weitergeleitet wird. Vorteil ist auch hier, dass keine Daten an den Onlinehändler übermittelt werden und die Zahlungsabwicklung über die eigene Bank erfolgt. Zahlungen können auch schneller als herkömmliche Online-Überweisungen erfolgen, wodurch die Lieferung von Produkten auch schneller erfolgen könnte. Nachteil ist, dass für den Händler Transaktionskosten entstehen können.
  • Paydirekt
    Sofern Onlinebanking genutzt wird und die jeweilige Bank vom Kunden an dem System teilnimmt, kann eine einfache und schnelle Anmeldung über das paydirekt-Bezahlsystem vorgenommen werden. Die Kunden brauchen keine Kreditkarte und können mit Hilfe eines Benutzernamens und eines Passworts über das Girokonto bezahlen. Sollte der Käufer nicht liefern, erhält der Kunde sein Geld sofort zurück. Auch hier ist der Vorteil, dass keine sensiblen Daten an Händler*innen weitergegeben werden. Für die Verkäufer entsteht der Nutzen, dass Zahlungen direkt auf das Geschäftskonto eingehen und hohe Sicherheitsstandards von Banken vorliegen, z. B. durch die Verifizierung der Identität der Käufer*in
  • Sofort-Überweisung
    Die initiale Anmeldung scheint kostenlos zu sein, jedoch müssen auch die Händler wieder mit einer Transaktions- sowie einer montlichen Gebühr rechnen. Die Kosten liegen bei ca. 0,9% des Verkaufspreises und einer Einmal-Gebühr von 0,25 €.
  • Kreditkarten
    Für das Anbieten einer Kreditkartenoption ist ebenfalls ein Dienstleister erforderlich. Hierbei sind die Anforderungen im Vergleich zu den anderen Optionen recht hoch, da bei der Registrierung beispielsweise eine eidesstattliche Erklärung und ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich sind.

 

Generell sind für die Abwicklung der Bezahlverfahren stets Partner notwendig. Zu berücksichtigen gilt es, dass anfallende Gebühren teilweise nicht transparent sind und individuell verhandelt werden müssen. Um den Gedanken der Regionalität zu wahren, kann die örtliche Bank eingebunden werden.

Recht und Versicherung

Für das Betreiben eines Online-Shops gilt es dringend auf rechtliche Fragestellungen zu achten. Zunächst sind eine Datenschutzerklärung, ein Impressum sowie Allgemeine Geschäftsbedingungen zu  formulieren. Für kaufmännische Angestellte gibt es Datenschutz-Lehrgänge, deren Erkenntnisse an dieser Stelle einfließen können.

Je Projektkonstellation werden unterschiedliche Versicherungen benötigt. Insbesondere diese Versicherungen werden in diesem Zusammenhang von den Ansprechpartnern der Steinwald-Allianz empfohlen:

    • Vermögensschadenshaftpflichtversicherung
    • Betriebshaftpflichtversicherung
    • Geschäftsinhaltsversicherung

Sie sind für den Betrieb des mobilen Dorfladens zunächst als besonders wichtig anzusehen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Broschüre “Der Dorfladen in Bayern”.

Im Hinblick auf Finanzierung und Versicherungsschutz des Fahrzeugs ergeben sich im Gespräch mit den Herstellern die betreffenden Fragen zu Finanzierung und Vertragsgestaltung.

Betreibermodelle

Als Betreibermodell kommen zunächst folgende Rechtsformen in Frage:

  • AG, e.G.
  • e.K./e.Kfm./e.Kfr.
  • e.V.
  • Einzelunternehmen
  • GbR
  • gGmbH
  • GmbH
  • GmbH & Co. KG
  • KG
  • Kleine AG
  • OHG
  • PartG
  • UG

Alle weiteren Rechtsformen erschienen im Zuge der Prüfung für die Steinwald-Allianz für den Betrieb eines Lebensmittelhandels weniger geeignet. Es gilt bei dieser Wahl eine Satzung auszuarbeiten, diese notariell beurkunden zu lassen und je Rechtsform ggf. in ein Register eintragen zu lassen.

Erzeugermanagement

Unter das Erzeugermanagement fallen alle Aktivitäten, die zwischen Erzeugern, mobilem Dorfladen und stationärem Dorfladen stattfinden. Sie lassen sich in die drei Flüsse „Information“, „Ware“ und „Geld“ unterteilen.

Unter „Information“ ist vor allem die Produktverfügbarkeit, die Produktauswahl, die Bereitstellung der Ware im Online-Shop, sowie das Abholdatum zu sehen. Die Bereitstellung der Waren sowie die Abholung bezeichnet den Warenfluss. Unter Geldfluss ist die Bezahlung der Waren beim Erzeuger zu sehen.

Zu all diesen Aktivitäten müssen standardisierte Prozesse entwickelt werden: Während der Warenfluss zwar der sichtbarste ist, ist zu beachten, dass ein Großteil der Aktivitäten dem Informationsfluss zuzuordnen sind und eine sehr gute und transparente Kommunikation erforderlich machen. Dabei spielen auch die Verantwortlichkeiten und Weisungsbefugnisse der einzelnen Akteure, wie z.B. Kontrolle und Abnahme der Ware beim Erzeuger vom LKW-Fahrer in Abstimmung mit dem Mitarbeiter des Trägers, eine zentrale Rolle.

Standortwahl & Routenplanung

Als potenzielle Standorte für die Routenplanung gelten vor allem diejenigen Standorte, die als „in besonderem Maße unterversorgte Ortsteile“ eingestuft werden können. Denn diese profitieren vom mobilen Dorfladen am meisten. Die Versorgungssituation lässt sich anhand der vorhandenen Möglichkeit zum Einkauf von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs bewerten und die „Über-“ oder „Unterversorgung“ auf die mengenmäßig verfügbaren Lebensmittel bzw. die Größe der Auswahl unterschiedlicher Lebensmittel beziehen. Für die Bewohner im ländlichen Raum wird insbesondere der Aufwand für das Erreichen der Güter vom Wohnort zugrunde gelegt.
Die Routenplanung sollte idealerweise auf Basis von Ortsteilen einschließlich deren Versorgungsstruktur mit einer Entfernungsmessung zu insbesondere folgenden Versorgungseinrichtungen erfolgen:

  • Bank
  • Metzgerei
  • Bäckerei
  • Supermakt
  • Discounter
  • Dorfladen
  • Drogerie

Die Tourenpläne sollen idealerweise eine gewisse Rentabilität sicherstellen. Entsprechend sind Annahmen für die Warenkörbe und Pro Kopf Ausgaben der Kunden zu treffen. Dabei ist davon auszugehen, dass Kunden in einer schlechter versorgten Gegend mehr vom mobilen Dorfladen profitieren und auch konsumieren. Auf dieser Basis lassen sich dann Ortsteile festlegen und in einen Fahrplan mit Haltezeiten bringen.

Für eine möglichst hohe Rentabilität des mobilen Dorfladens empfehlen sich Haltezeiten von durchschnittlich 30 min. je Halteort.
Für die ökonomische Planung erfolgt der Hinweis, dass ein Anfahren der unterversorgten Ortsteile im Gegensatz zu einem Anfahren der bevölkerungsstärksten und damit ggf. umsatzstärkeren Ortsteile steht. Hier muss Rentabilität mit dem Ziel der Aufrechterhaltung der Grundversorgung abgewogen werden.

Für die Tourenplanung gilt es einen vollständigen Wochenplan mit Haltezeiten an den jeweiligen Orten zu erstellen. Bei der Erstellung lässt sich die Besuchsreihenfolge im Hinblick auf die Betriebskosten (z. B. Spritverbrauch, Abnutzung, Arbeitszeit) optimieren.

Bedingungen für eine zugrundeliegende Tourenplanung sollten sein:

  1. Jede Haltestelle soll zwei Mal pro Woche angefahren werden, da die Kunden sonst zu lange auf ihre Waren warten.
  2. Der mobile Dorfladen soll seine Touren so fahren, dass er jeden Tag möglichst nahe an allen Haltestellen hält. Dadurch können Kund*innen ihre Bestellungen an Orten abholen, die in der Nähe ihres regulären Haltepunkts liegen und noch vor diesem angefahren werden. Dadurch wird die Wartezeit von Online-Bestellungen verkürzt und regelmäßige Käufe schaffen Kontinuität.

Marketing

Für den Erfolg eines mobilen Dorfladens spielt nicht zuletzt das Marketing eine bedeutende Rolle, das die Bürger über das Vorhaben informiert und die Mehrwerte herausstellt.

Zu einem zeitgemäßen, professionellen Auftreten gehören ein Corporate Design mit Logo sowie typische Werbematerialien wie Homepage, Flyer, Plakate, Pappaufsteller sowie Werbeanzeigen in lokalen Zeitungen.

Abgesehen von ausgelegten Materialien sowie Online-Ressourcen, bringen Informationsveranstaltungen sowie Marktstände an den jeweiligen Standorten die Träger und die poteziellen Kunden zusammen.

Eine frühzeitige Einbindung der Bürger schafft Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Darüber hinaus lassen sich damit Geschäftsmodell und Bedarf, Angebotspalette, Standorte und weitere relevante Eckdaten wie Lieferrhythmus und Bezahlarten abklären. Hierfür eignen sich z. B. eine Papier-Umfrage oder ein Thementisch im Rathaus.

Insbesondere das Gespräch mit den Bürgern hat viel Potenzial, um den mobilen Dorfladen zum Erfolgsmodell zu machen. Daher ist es wichtig, einen Ansprechpartner zu benennen, der auch für Fragen von Außenstehenden stets zur Verfügung steht.

Sie sehen als Anschauungsbeispiel Marketingmaterialien der Steinwald-Allianz: